Barkarte English menuPDF
Barkarte, Seite 1 von 8: Gin + Tonic Barkarte, Seite 2 von 8: even more Gin + Tonic Barkarte, Seite 3 von 8: Gin Exquisite + Tonic Barkarte, Seite 4 von 8: Gin Exquisite + Tonic · Fortsetzung Barkarte, Seite 5 von 8: unsere derzeitigen Favoriten Barkarte, Seite 6 von 8: Gin Basic Cocktails Barkarte, Seite 7 von 8: andere Cocktails Barkarte, Seite 8 von 8: Softdrinks
Ratgeber

Gin-Sorten erklärt: London Dry, Old Tom, Sloe Gin und mehr

6 Minuten LesezeitTeam der Gin Chilla Bar

Gin Tonic in großen Gläsern mit Tonicflaschen auf der Theke der Gin Chilla Bar

Gin ist in der EU genau geregelt, und zwar in Stufen: Gin, Destillierter Gin und London Gin. Diese drei Bezeichnungen sagen etwas über die Herstellung aus, nicht über die Qualität. Begriffe wie Old Tom, New Western oder Navy Strength beschreiben dagegen einen Stil und sind nicht gesetzlich festgelegt. Sloe Gin ist streng genommen gar kein Gin, sondern ein Likör.

Was Gin überhaupt zum Gin macht

Am Anfang steht fast immer derselbe Rohstoff: Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, also neutraler Alkohol aus Getreide, Kartoffeln, Trauben oder Zuckerrüben. Daraus wird Gin, sobald Wacholderbeeren dazukommen und der Wacholder im Geschmack die Hauptrolle spielt. Alles Weitere sind die sogenannten Botanicals, also Pflanzenteile wie Koriander, Zitrusschalen, Angelikawurzel oder Pfeffer.

Die Regeln dafür stehen in der Spirituosenverordnung der EU, genauer in Anhang I der Verordnung (EU) 2019/787. Dort gibt es vier Stufen, die aufeinander aufbauen. Wer die vier kennt, kann jedes Etikett im Regal einordnen.

Gin, Destillierter Gin, London Gin: was der Unterschied im Glas bedeutet

Ein Gin ohne Zusatz darf auch so entstehen, dass dem Alkohol fertige Aromen zugegeben werden. Das klingt nach Abkürzung, ist aber erlaubt und nicht automatisch schlechter. Der Wacholder muss trotzdem der Hauptgeschmack bleiben.

Beim Destillierten Gin wandern Wacholder und Botanicals mit in die Brennblase. Die Aromen lösen sich beim Destillieren aus den Pflanzen und gehen ins Destillat über. Ein Gin, der nur durch Zugabe von Essenzen entsteht, darf diese Bezeichnung nicht tragen.

Der London Gin geht noch einen Schritt weiter. Hier muss der gesamte Geschmack aus der Destillation kommen, nachträglich kommt nur noch Wasser dazu. Das Destillat muss mindestens 70 % vol haben, der Gin darf nicht gefärbt werden und höchstens 0,1 g Süßungsmittel pro Liter enthalten. Ein London Gin kann in Berlin, Schottland oder Japan gebrannt werden. Der Name steht für das Verfahren.

Gin Tonic mit Tonicflaschen auf der Theke
Ob London Dry oder Gin mit Frucht: Mit Tonic zeigt sich, wie der Wacholder trägt.

Wichtig für die Auswahl: Die Stufen sind keine Rangfolge der Qualität. Ein London Dry Gin schmeckt meist klar und wacholderbetont, weil der Spielraum enger ist. Ein Gin mit zugegebenen Aromen kann dafür fruchtiger oder blumiger ausfallen. Was besser ist, entscheidet am Ende der eigene Gaumen.

Dry: weniger Zucker, nicht weniger Geschmack

Das Wort Dry auf dem Etikett hat eine feste Bedeutung. Gin, Destillierter Gin und London Gin dürfen sich so nennen, wenn sie höchstens 0,1 g Süßungsmittel pro Liter enthalten. Das ist so wenig, dass man es nicht schmeckt.

„Trocken“ heißt also nur: praktisch ungesüßt. Es sagt nichts darüber, ob ein Gin herb, frisch oder würzig wirkt. Ein London Dry Gin mit viel Zitrus kann sehr weich schmecken, obwohl er keinen Zucker enthält.

Stile ohne Gesetz: New Western, Old Tom und Navy Strength

Viele Begriffe, die in Bars und Shops kursieren, tauchen in der Verordnung nicht auf. Sie beschreiben einen Stil, den Hersteller frei verwenden dürfen. Rechtlich zählt dann die Stufe auf dem Etikett, also Gin, Destillierter Gin oder London Gin.

New Western

Auch Contemporary genannt. Der Wacholder bleibt da, tritt aber etwas zurück, damit Zitrus, Blüten oder Gurke mehr Raum bekommen.

Old Tom

Ein älterer Stil, der heute meist leicht gesüßt ist und runder schmeckt als ein Dry Gin. Weil er Süße enthalten darf, kann ein Old Tom kein London Dry Gin sein.

Navy Strength steht für Gins mit besonders viel Alkohol, häufig um 57 % vol. Geschützt ist der Begriff nicht. Bei vielen Pink Gins kommen Farbe und Frucht nach der Destillation dazu, ein London Gin können sie deshalb nicht sein.

Gerade die Gins mit eigener Handschrift fallen in diese freie Zone. Auf unserer Karte steht zum Beispiel der Tarsier Khao San aus England, der Wacholder mit Zitronengras, Kaffirlimettenblättern und Thai Chili verbindet. Der Larios Mediterranea aus Spanien bringt Clementine, Mandarine, Grapefruit und Orangenblüten mit. Beide zeigen, wie weit der Spielraum reicht, solange der Wacholder erkennbar bleibt.

Sloe Gin: eigentlich ein Likör

Sloe Gin hat einen eigenen Eintrag in der Verordnung, und zwar als Likör. Er entsteht, indem Schlehen in Gin eingelegt werden, wahlweise kommt Schlehensaft dazu. Der Mindestalkohol liegt mit 25 % vol deutlich unter dem eines Gins.

Im Glas ist Sloe Gin rotbraun, fruchtig und meist süß. Pur passt er gut zum Abschluss eines Abends, mit Sekt oder Tonic wird er zum leichten Longdrink. Wer einen Sloe Gin mit einem Dry Gin vergleicht, merkt schnell, warum die Verordnung ihn getrennt führt.

Welche Gin-Sorte passt zu wem?

Die beste Orientierung ist der eigene Geschmack, nicht das Etikett. Diese Übersicht hilft beim ersten Schritt, ersetzt aber das Probieren nicht.

Wer mag …probiert zuerstDarauf achten
klar und herbLondon Dry GinWacholder und Zitrus vorne, kaum Süße
frisch und fruchtigGin mit Zitrus oder Beerenoft ohne Zusatz Dry, manchmal gefärbt
würzig und ungewöhnlichGin mit eigenen BotanicalsPfeffer, Kräuter, Tee oder Chili
rund und mildOld Tomleicht gesüßt, gut pur oder im Cocktail
süß und fruchtigSloe GinLikör, weniger Alkohol als Gin

Über 700 Gins stehen bei uns im Regal, eine lange Liste davon gibt es auf der Seite Unsere Gins. Was gerade auf der Karte steht und mit welchem Tonic wir es servieren, zeigt die Barkarte.

So probiert man Gin richtig

Wer Gin-Sorten vergleichen will, fängt am besten pur an. Ein kleiner Schluck bei Raumtemperatur zeigt, wie viel Wacholder ein Gin mitbringt und welche Botanicals danach kommen. Erst dann folgt das Tonic.

  1. Erst riechen. Das Glas leicht schwenken und mit etwas Abstand schnuppern, zu nah brennt der Alkohol in der Nase.
  2. Dann pur probieren. Ein kleiner Schluck, im Mund verteilt, zeigt am besten, welche Botanicals mitspielen.
  3. Danach mit Tonic. Ein herbes Tonic betont den Wacholder, ein mildes lässt fruchtige Noten durch.
  4. Lieber vergleichen als durchprobieren. Zwei oder drei Gins nebeneinander zeigen mehr als zehn hintereinander.

Quellen

  • Verordnung (EU) 2019/787 über die Begriffsbestimmung, Bezeichnung, Aufmachung und Kennzeichnung von Spirituosen, Anhang I, Kategorien 19 bis 22 (Spirituose mit Wacholder, Gin, Destillierter Gin, London Gin) und 35 (Sloe Gin): EUR-Lex, Fassung bei Erlass, legislation.gov.uk
  • Geschmacksbeschreibungen der genannten Gins: Barkarte der Gin Chilla Bar, Stand September 2026

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Gin und London Dry Gin?

Gin darf auch entstehen, indem dem Alkohol fertige Aromen zugegeben werden. Bei London Gin muss der gesamte Geschmack aus der Destillation kommen, der Gin darf nicht gefärbt werden und höchstens 0,1 g Süßungsmittel pro Liter enthalten. Das Wort Dry kommt dazu, wenn diese Grenze eingehalten ist. Ein London Dry Gin ist damit die strengste Stufe, aber nicht automatisch der bessere Gin.

Muss London Dry Gin aus London kommen?

Nein. Der Name London Gin beschreibt laut EU-Verordnung ein Herstellungsverfahren und keine Herkunft. Ein London Dry Gin kann in Deutschland, Spanien oder Japan gebrannt werden. Entscheidend ist, dass er die Regeln für Destillation, Farbe und Süße einhält.

Wie viel Alkohol hat Gin mindestens?

Gin, Destillierter Gin und London Gin brauchen in der EU mindestens 37,5 % vol. Eine Spirituose mit Wacholder darf schon ab 30 % vol verkauft werden, heißt dann aber nicht Gin. Sloe Gin ist ein Likör und hat mindestens 25 % vol.

Was ist Old Tom Gin?

Old Tom ist ein älterer Gin-Stil, der heute meist leicht gesüßt ist und dadurch runder schmeckt als ein Dry Gin. Der Begriff ist in der EU-Verordnung nicht festgelegt, Hersteller dürfen ihn frei verwenden. Rechtlich ist ein Old Tom meist ein Gin oder Destillierter Gin, wegen der Süße aber kein London Dry Gin.

Ist Sloe Gin ein Gin?

Streng genommen nicht. Die EU-Verordnung führt Sloe Gin als Likör, der durch Einlegen von Schlehen in Gin entsteht. Er hat mit mindestens 25 % vol weniger Alkohol als Gin und schmeckt meist süß und fruchtig.

Was bedeutet Dry auf dem Gin-Etikett?

Dry heißt, dass der Gin höchstens 0,1 g Süßungsmittel pro Liter enthält. Das ist so wenig, dass man es nicht schmeckt, der Gin gilt damit als praktisch ungesüßt. Über die Aromen sagt das Wort nichts, ein Dry Gin kann trotzdem weich und fruchtig wirken.

Welche Gin-Sorte ist gut für Einsteiger?

Für den Anfang eignet sich ein klassischer London Dry Gin mit einem milden Tonic, weil man daran den Wacholder gut kennenlernt. Wer es fruchtiger mag, probiert danach einen Gin mit Zitrus oder Beeren. Am meisten lernt man im direkten Vergleich, zum Beispiel in einem Tasting mit mehreren Gins nebeneinander.